Erste Schritte-Aktuelles
Die Reise hat begonnen. An dieser Stelle berichten wir fortlaufend über unsere Arbeit, neue Erkenntnisse, Fortschritte, Sackgassen und hoffentlich nicht zu oft! – Rückschritte.
3D-Modell Mauerturm/© Sören Frommer
7. März 2026
Neue Altersbestimmungen mit der C14-Methode
Benefizvorstellung des Sportskomede-Laientheaters finanziert C14-Altersbestimmungen

© Projekt die Burg
Unsere Zeitreise endet dort, wo Spenden und Förderungen enden. Deswegen freuen wir uns sehr über ein großes Geschenk der Theater-Aktiven des TSV Genkingen. Jeden Winter führen sie auf der Schwäbischen Alb ein Theaterstück auf, heuer: „Adel, Tadel und Verdruss“. Sämtliche Einnahmen ihrer diesjährigen Benefizvorstellung in Höhe von 2600 Euro haben sie uns zugedacht. Wir bedanken uns!!!

© Thomas Bernhardt

© Thomas Bernhardt
Wir verwenden das Geschenk für einen besonderen Zweck – der C14-Analyse von acht Holz- und Knochenfunden, die während der Ausgrabungen im vergangenen Jahr geborgen wurden.

© Projekt die Burg
Die Proben gehen wie schon zuvor an das Curt-Engelhorn-Zentrum für Archäometrie in Mannheim. Die Ergebnisse, in grob vereinfachter Form:
- Ein Stück Holzkohle, dass in einer Brandschicht der oberen Burgterrasse gefunden wurde – Holz, gefällt zwischen 1225-1260.
- Tierknochen aus gleicher Brandschicht – gewachsen zwischen 1276-1301.
- Holzkohle in einem Mörtelstück – hier wird es kompliziert. Folgende Wahrscheinlichkeiten lassen sich aus den Messergebnissen herauslesen – gefällt zwischen 1290-1303 oder 1368-1381. In Frage käme auch der Zeitraum zwischen 1282-1313 oder 1361-1388.
- Tierknochen aus oberer Burgterrasse, Nähe Trockenmauer – 1325-1353 und 1394-1397 oder 1316-1362 und 1387-1406.
- Tierknochen, oberer Burgterrasse – 1509-1644.
- Tierknochen (Schulter oder Unterkiefer), nahe Trockenmauer – 1279-1294, oder 1275-1301
- Biberzahn, gefunden am Nordrand der Burg – 4040-3820 vor Christus.
- Ein verziertes, angebohrtes Geweihstück, fingerlang, von einem Ehrenamtlichen gefunden am Übergang von oberer zur unterer Terrasse – 827-794 vor Christus.
Die bisherige Deutung, vorgenommen von Sören Frommer:
Erste Bauphase:
„Der Brand um/nach 1250 wurde möglicherweise nicht unmittelbar mit dem erweiterten
Wiederaufbau der Burg gekontert. Vieles spricht dafür, dass der Burghof im Norden der Burg erst in das letzte Viertel des 13. Jahrhunderts datiert (Tierknochen). Damit ist denkbar, dass wir im dritten Viertel des 13. Jahrhunderts einen zeitweiligen Hiatus oder aber eine lange Bauphase verzeichnen. Allerdings müssen wir auch die Möglichkeit in Betracht ziehen, dass Phase I auch etwas länger dauerte als bislang angenommen (Holzkohle). Vielleicht datieren wir den Brand in Zukunft besser in das dritte Viertel des 13. Jahrhunderts. Auch das letzte Viertel wäre nach den neuen C14-Daten möglich, allerdings wird die Diskrepanz zum in der Baugrube der westlichen Ringmauer geborgenen Fundmaterial der ersten Burgphase, welches nicht über die Zeit „um 1250“ hinausgeht, dann allmählich sehr groß.“
Übersetzung: Nachdem es die Burg das erste Mal abgebrannt war, wir kennen die Ursachen noch nicht, wurde sie nicht sofort wiederaufgebaut. Oder der Wiederaufbau zog sich einige Jahrzehnte lang hin. Weil das Geld fehlte, oder weil der Wiederaufbau den Burgherren Verträge mit denen, die den Brand gelegt hatten, untersagten? Es vergingen einige Jahrzehnte, bis wieder Leben einzog in die Burg, dann aber umso machtvoller, so sehr, dass die Anlage nicht nur aufgebaut, sondern deutlich vergrößert wurde. Oder aber – zweite Theorie – der Brand ereignete sich möglicherweise nicht um 1250, sondern später, etwa um 1275.
Zur zweiten Bauphase:
„Auch hierzu gibt es neue Argumente, die aber weit weniger klar sind. Wenn der Tierknochen 3 den Wiederaufbau nach dem zweiten Brand markiert, sprechen wir über den Zeitraum 1316-1362. Ein schwaches, aber möglicherweise ergänzendes Argument liefert Mörtel, der eine in einem Brand endende Bauphase zwischen ca. 1300 und 1342 möglich erscheinen lässt, nach der im Burghof neu gebaut wurde. Dies könnte, muss aber nicht bedeuten, dass es auch im Burghof brannte. Überschneide ich die Daten, bin ich bei ca. 1316-1342 für den zweiten Brand. Wenn ich den Neubefund der Lehrgrabung (rechteckig ausgezogene Schüsselkacheln aus möglicher Brandschicht nördlich der Quermauer) mit in Betracht ziehe – die wir ja vermutlich im Entsorgungskontext fassen, wird das ziemlich eng. Heißt: wir müssen in Betracht ziehen, dass der zweite Brand, den wir im Bereich des Südwest-Ecks des mehrzonigen Palasbaus gut fassen und
von dem aus wir den Wiederaufbau mit Schildmauer beobachten, möglicherweise von einem späteren Brand unterscheiden müssen, der dann das Ende der Burg bedeutete.
Kurzfassung: Die Frage nach der Datierung des zweiten Brands ist offen.
Var. 1: Wenn sich die bisherige Deutung (der an der Quermauer im mehrzonigen Palas sichtbare Brand ist Brand Nr. 2) noch halten lassen sollte, ist eine Datierung ins mittlere 14. Jahrhundert klar am wahrscheinlichsten.
Var. 2: Sollten wir diesen Brand zu Brand Nr. 3 machen müssen, so gehört der Brand Nr. 2, der mit dem Bau der Schildmauer „gekontert“ wurde, allgemein in die Zeit zwischen dem Phasenwechsel I/II und der Aufgabe der Burg (spätes 13. bis spätes 14. Jh.), wg. Der Mörtelprobe dabei am wahrscheinlichsten in die Zeit von ca. 1300-1342.“
Die Übersetzung: kurzgefasst – bisher gingen die Forscher von zwei Bränden aus, nun vermuten sie drei Brände. Das sind ziemlich viele Verwüstungsereignisse für eine Burg, die nach bisherigen Annahmen nicht länger als zwei bis drei Jahrhunderte lang bewohnt gewesen ist. Kurzum: entweder gingen die BewohnerInnen über Generationen sehr fahrlässig mit Herdfeuer und Kerzen um, oder aber wir haben es mit einer Problemburg zu tun, einer Burg, die immer wieder umkämpft war, anderen ein Dorn im Auge war, ein Stachel im Fleisch – ja, von wem?
Die beiden Objekte, die aus tiefer, vorchristlicher Zeit stammen, deuten darauf hin, dass der Berg, so prominent er aus seiner Umgebung herausragt, schon früher das Interesse von Menschen auf sich zog – was nicht ungewöhnlich wäre für die Kuppen der Schwäbischen Alb, eines der ältesten Siedlungsgebiete Europas.
28. Februar 2026
Das große Wurzelrücken – weitere Aufräumarbeiten
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© Projekt die Burg
Ein weiterer Kraftakt: Für dieses Frühjahr ist eine weitere Grabungskampagne geplant. Dafür aber müssen aber im Turmareal zunächst einige große Wurzelballen beseitigt werden. Relikte des großen Sturms vom Sommer 2023. Sie blockieren die Zugänge für weitere Forschung und Restaurierung. An diesem Wochenende im Winter findet eine kleine Gruppe aus Archäologen, Studenten, Handwerkern und befreundete afghanische Geflüchtete zusammen, um drei Wurzeln zu ziehen.
Da sich noch etliche Funde im Erdbett der Wurzelteller befinden, werden sie zunächst archäologisch untersucht. Tatsächlich wird Ofen- und Geschirrkeramik gefunden. Sodann werden die Wurzeln mit einer Motorsäge zersägt, um zuletzt die Holztrümmer 200 Meter außerhalb des Burgareals zu deponieren. Am Ende ist das Sägeblatt stumpf, doch noch gut ein Dutzend weiterer Baumtrümmer gilt es in den nächsten Jahren zu beseitigen.
20.Dezember 2025
Die Burg wird sichtbar! – die Aufstellung erster Schautafeln.

© Shane Cavlovic
Bisher gab es keinen einzigen Hinweis auf die Burg. Das letzte Schild, an einer Buche befestigt, das sehr wortkarg darauf aufmerksam machte, dass hier einst eine Burg stand, hatte der Sturm 2023 umgerissen. Schon lange hatten wir das ändern wollen. In den letzten Tagen des Jahres 2025 haben wir insgesamt fünf Schautafeln errichtet. Drei davon stehen auf dem Hohengenkingen. Zwei weitere an den beiden anderen Burg-Standorten der Herren von Genkingen. Eine liegt im Ort, auf einem kleinen Bergsporn, der die Passstraße von Gönningen kontrollierte. In den 60er Jahren wurde sie mit einem Mehrfamilienhaus brutalst überbaut. Der Standort ist für das Projekt ein Glücksfall, weil somit eine der Tafeln den Ortseingang markiert: „Willkommen in der Genkinger Burgenwelt“ heißt es dort. Mehr Sichtbarkeit vor Ort kann man sich nicht wünschen.
Eine weitere Tafel markiert mittlerweile den „Burgstall“, ebenfalls über besagter Passstraße. Für einige Jahrzehnte hatte dort die Adelsfamilie eine Burg unterhalten. Sie hatten sich dafür einen extremen Platz ausgesucht. Ein 250 Meter langer, schmaler Berggrat, steil und durch künstlich gebrochene, tiefe Gräben von der Hochfläche abgetrennt. Mauern sind nur noch wenige erkennbar.
Die Tafeln sollen durch einen zirka 11 Kilometer langen Wanderweg miteinander verbunden werden – was für den Frühsommer 2026 geplant ist. „Der Drei-Burgen-Weg.“ Wir haben dafür vielen Mitwirkenden zu danken. Sie alle haben ehrenamtlich mitgewirkt. Danke der Agentur Steilhang für das Design! Der Albfactory für die Herstellung der Tafeln! Dem Wegewart der Gemeinde Sonnenbühl, Michael Schubert, für das Austüfteln der Wegführung! Und natürlich Josef Schmaus von der Agentur Outline aus Augsburg, der mit der Schauspielerin XXX den Audioguide besprochen. Welche Freude den beiden zuzuhören!
Die Tafeln sind sämtlich im vertikalen Format ausgedacht, weswegen sie ein bisschen an die Fahnen der japanischen Samurai erinnern, schlank und hoch, wie die Türme, die die Burgen einst krönten. Sie markieren den Beginn eines Archäologiepfades, der parallel zum Forschungsfortschritt entwickelt werden soll. Er soll den Besuchern nicht nur die Geschichte der Burgen nahebringen, sondern auch die Wissenschaft der Archäologie, die oftmals noch unverstanden bleibt.
3. November 2025
Burg goes Berlin!
Verleihung des Medienpreises des Deutschen Nationalkomitees für Denkmalschutz.

© Nationalkomitee für Denkmalschutz
Unser Projekt und die Artikelserie in der ZEIT, die darüber berichtet, wird in Berlin mit dem höchsten Preis des Deutschen Denkmalschutzes gewürdigt.
Auszüge aus der Würdigung: „Archäologie und Zeitgeschichte stehen enger beieinander, als man denkt: Regionale Forschungen eröffnen neue Perspektiven auf die lange europäische Geschichte
und zeigen, warum die Verankerung in der Vergangenheit auch für den modernen Menschen wichtig bleibt. Mit einer Artikelserie, die seit Ende 2023 in der Wochenzeitung DIE ZEIT erscheint, beleuchtet der Autor Wolfgang Bauer diese und viele
weitere Themen. Anhand eines einzigen Denkmals, der mittelalterlichen Burg Hohengenkingen, rund 50 Kilometer südlich von Stuttgart, eröffnet er den Leserinnen und Lesern einen Zugang, der sie tief in die Vergangenheit führt. Das Ende der Serie ist noch
offen, denn sie folgt den aktuellen Forschungen auf der Burg. Wolfgang Bauer beschreibt sie anschaulich und lebendig, nicht nur als begleitender Autor, son-
dern auch als einer der Akteure dort vor Ort, in seiner Heimatregion am Rand der Schwäbischen Alb.
Die nahezu vergessene Burg wird als Zeitkapsel beschrieben und das Mittel, um diese lesen zu können, ist alleine die Archäologie. Bauer nimmt die Leserinnen und Leser mit, lässt sie teilhaben an den Untersuchungen und kleinen Fortschritten an der Burgruine und führt sie über eingestreute Exkurse in die vielfältigen Methoden und Forschungsansätze dieser spannenden Wissenschaft ein. Manchmal ruht der Blick auf kleinen Funden aus der Burg – etwa einer Perle aus Speckstein oder einer Scherbe eines Nuppenglases –, die auf den ersten Blick unscheinbar wirken, aber viel über die Bewohner, ihre Lebensumstände und ihre Einbindung in wirtschafliche wie herrschaftliche Gefüge verraten. Dabei schafft er es, die Ergebnisse in das große Gerüst der Geschichtsforschung einzubetten und die europaweiten Bezüge aufzuzeigen. Er gibt damit der Burg Hohengenkingen auf spannende und leicht
lesbare Weise ihre Rolle in der deutschen und europäischen Burgenlandschaft wieder zurück, die sie als fast verschwundenes Denkmal zu verlieren drohte. Sie wird wieder Teil der wechselvollen Geschichte von Herrschaft und Politik, die bis
in europäische Dimensionen reicht.“
30. Oktober 2025
Gründung des Burgenforschungszentrums an der Universität Tübingen.
Eine Initiative unseres Projektes wurde vom Landtag Baden-Württemberg erhört. Wir freuen uns! Besonderen Dank gilt den Landtagsabgeordneten Cindy Holmberg (Grüne) und Manuel Hailfinger (CDU)! An der Universität Tübingen gibt es künftig ein Burgenforschungszentrum, Teil des Lehrstuhls für Mittel-Archäologie. Das ist deutschlandweit einmalig und soll Forschungsaktivitäten von Profis und Laien bündeln, Ansprechpartnerin für private Schloss- und BurgenbesitzerInnen sein. Baden-Württemberg ist ein Burgenland, mit Millionen Touristen auf Burg Hohenzollern, Schloss Lichtenstein und vielen anderen. Geleitet wird das Zentrum vom Burgenexperten Dr. Michael Kienzle.
Zur Eröffnung reisten BurgenforscherInnen aus ganz Europa an, um über ihre jeweiligen Arbeiten zu berichten, über Burgen in Ostfriesland zu berichten, Burgen in Oberitalien, in Spanien. Seinen Abschluss fand die Tagung mit einer Exkursion unter anderem zum Hohengenkingen, betreut von Sören Frommer.
Wir erwarten uns von der neuen Einrichtung mehr Power für Forschung und Vermittlung.
Links: https://uni-tuebingen.de/forschung/zentren-und-institute/zentrum-fuer-burgenforschung/
Der Turm wankt! – Schnitte 4/5

© Michael Rogosch
Die Nachwuchs-Archäologen Malte Klarhof und Jerome Kommer arbeiten auf der obersten Spitze des Berges, den, weil bisher bar aller sichtbarer Mauern, die meisten Wanderer lange schlicht für den Gipfel hielten. Tatsächlich aber ist er von Menschen geformt. Sören Frommer, der die Forschungen leitet, war sich bisher sicher: Dort stand einst ein Turm. Bis zu 30 Meter hoch. In seinem Hangschutt fand Frommer im Vorjahr Splitter von Ofenkacheln. Ein Hinweis darauf, dass der Turm bewohnt war, ein Wohnturm. Auf der Südseite legte Frommer mit dem Laubbläser eine 2,40 Meter starke Mauer frei. Der Grundriss des Turm-Fundaments, den er abzumessen vermochte: 14,1 mal 14,9 Meter, womit er zu den mächtigsten Türmen in Deutschland gezählt haben dürfte.

© Projekt die Burg
Klarhof und Kommer sollen im Norden des Gipfels nach der gegenüberliegenden Wand suchen. Ein Sturm hat dort vor einiger Zeit einen Baum gefällt; dessen herausgerissene Wurzeln legten die Innenseite einer Mauer frei. Davor gab es hier nur eine leichte Bodenwelle. Klarhof und Kommer arbeiten sich in die Tiefe, Zentimeter für Zentimeter. Das Chaos, das sie unter der Grasnarbe entdecken, gewinnt allmählich Struktur. Sie stoßen auf die Oberkante einer Mauer. Sie wirkt so perfekt als sei sie erst gestern gemörtelt worden. Aber bald ergibt sich ein Problem:
„Ich verstehe das nicht mehr“, sagt Frommer schon nach zwei Tagen. „Da passt nichts zusammen.“

© Projekt die Burg

© Projekt die Burg
Das Rätsel: die Nordmauer des vermeintlichen Turms, die die beiden ausgraben, ist nur 1,20 Meter breit, die Südmauer hingegen 2,40 Meter. Die ganze Gruppe aus Studenten und Leiter steht schließlich über dem Fund und diskutiert. Die Turm-Theorie, sind sich alle einig, wankt. Er kann schlecht auf zwei so ungleichen Fundamenten gestanden haben. Am Ende der Besprechung ist die Burg in der Vorstellung der Archäologen komplett umgebaut. Zwei Thesen überleben die Debatte: 1) Kein Turm krönte die Burg, sondern eine mächtige Schildmauer. 2) Die Burg krönte ein mächtiger Turm, dessen Nordseite allerdings aus leichterem Fachwerk gebaut war und deshalb auf einer schwächeren Mauer gegründet war und dessen Südseite mit einer Schildmauer verstärkt worden war.
Schildmauern waren Bollwerke, mit denen im Spätmittelalter vor allem im deutschen Südwesten viele Burgen modernisiert worden waren. Zeitgenössische Chronisten nannten sie „den Hohen Mantel“. In ihrem Schutz duckten sich die Wohngebäude der Burg vor dem Ungemach der Welt. Die neuen Panzer aus Stein waren Reaktionen auf das Aufkommen einer neuen, entsetzlichen Waffe.
Die Angst ist ein großer Baumeister. Fortwährend und immer wieder hat in der Geschichte der Menschheit die Angst die Landschaft überformt. In der Gegenwart weben sich in der Ukraine und in Kurdistan ganze Dörfer und Städte mit Netzen ein, um sich gegen Drohnen zu schützen. Die Bunkeranlagen der Weltkriege vernarben noch heute Europas Küsten. Die Geografie von Hamburg oder Wien prägt noch heute die Angst aus den Zeiten des Dreißigjährigen Krieges. Großzügige Parks dehnen sich dort aus, wo einst Kanonen freies Schussfeld haben sollten, um die Bürger hinter den Mauern zu schützen. Früher Killings Fields, heute Planten un Blomen.
Zum ersten Mal wird mit der Entdeckung der Schildmauer die Angst greifbar, die die Hohengenkinger mit ihren Frauen und Kindern auf diesen Berg trieb. Viele der Mauersteine, die Malte Klarhof und die Gruppe Studierender ausgraben, sind tief orange verfärbt. Spuren großer Hitzeeinwirkungen. Spuren möglicherweise von Kämpfen. Mindestens drei Brände haben die Burg heimgesucht. Das legen die bisherigen Untersuchungen nahe. Einer Mitte des 13. Jahrhunderts, ein anderer vermutlich Anfang des 14. Jahrhunderts. Ein dritter ist noch nicht datiert. Alle paar Jahrzehnte rasten damals Kriege über das Land und über die Burg hinweg. Ein Wettrüsten tobte. Belagerer gegen Belagerte. Die Maßnahmen des einen spiegelten Maßnahmen des anderen.

© Projekt die Burg
Im Früh- und Hochmittelalter waren viele Burgen aus Holz, so begannen die Burgherren möglicherweise auch auf dem Hohengenkingen. Streitäxte, Schwerter und Rammböcke entschieden damals die meisten Kämpfe. Später, bei steigendem Wohlstand, ersetzte man auf den meisten Burgen Holz durch Stein, was Belagerer vor neue Herausforderungen stellte. Sie zogen mit Schleuderwaffen nach, die die Mauern brechen sollten. Darauf wiederum reagierten die Burgherren mit dem Bau stärkerer Mauern. Gegen Mitte des 13. Jahrhunderts begannen sie regelrechte Monstermauern zu errichten. Bis zu zwölf Meter dick, bis zu 30 Meter hoch. Die Schildmauern. Sie erinnern an überdimensionale Mauern aus Hollywood-Fantasien, die gegen King Kong schützen sollen. Als hätte man damals den ganzen Himmel mit Steinen verschließen wollen. Schildmauern gehörten zu den kostspieligsten Bauwerken einer Burg. Man errichtete sie deshalb nur an den verwundbarsten Flanken. Auf dem Hohengenkingen zeigt sie auf den flach ansteigenden Berggrat. Offenbar drohte von hier die größte Gefahr der damaligen Zeit: die Blide-Schleuder.
Monster, die gegen Maschinen schützen sollten, die ebenfalls wahre Monster waren. Die neuen Waffen waren die größten, die bis dahin je ersonnen worden waren. Keine einzige hat die Zeiten bis heute überdauert. Unser Wissen über sie speist sich aus Abbildungen in mittelalterlichen Büchern. Man nannte sie Blide oder Trebuchet, abgeleitet vom italienischen Trabucco, was so viel wie „der Zerstörer“ heißt. Gigantische Schleudern, die bis zu 150 Kilo schwere Steinkugeln gegen Mauerwerke werfen konnten. Das Prinzip: An einem Balken ist eine lange Schlinge befestigt, in die das Wurfgeschoss eingelegt wird. Über zwei Zahnräder aus Eisen wird der Balken nach unten gezogen, dort verriegelt unter Spannung gehalten. Am anderen Ende des Schwungbalkens befindet sich eine Holzbox, darin oft Blei, daher der Name Blide, ein bis zu 20 Tonnen schweres Gegengewicht. Entriegelte man den Schwungbalken, brach er sich frei mit ungeheuer Gewalt.
Auf der Runneburg im thüringischen Landkreis Sömmerda hatten Historiker und Enthusiasten vor einigen Jahren eine Blide nachgebaut und ihre Zerstörungskraft untersucht. „Eine ungeheure Treffsicherheit“ bescheinigte der Historiker und gelernte Soldat Michael Kirchschlager der mittelalterlichen Waffe, der die Experimente in Arnstadt leitete. Ihre Reichweite ist mit bis zu 600 Metern gering, lag aber weit außerhalb der Reichweite der meisten Armbrust-Modelle, mit denen sich die Belagerten wehrten.
Blidemeister bedienten sie, hochumworben, hochbezahlt, städtische Rechnungsbücher von damals halten ihre Gehälter fest. Fast alle großen Städte in Deutschland unterhielten Bliden. Sie wurden in sogenannten Blidenhäusern gelagert und gewartet. Die Schleudern, die bis zu 20 Metern lang sein konnten, verschossen Steinkugeln, unterschiedlich schwer, an den Seiten abgeflacht, damit sie besser in den Schlingen lagen. Gezielt wurde auf das untere Drittel der Burgmauern, immer wieder, tagelang. Sie zertrümmerten nach und nach die äußere Mauerschale. Mauern bestanden damals aus einer Außen- und Innenschale, der Zwischenraum mit Schutt und Kalkmörtel gefüllt. Sobald die Geschosse diese erste Schale eingedrückt hatten, wurde Reisig in die Maueröffnung katapultiert. Das Reisig wurde in Flammen geschossen, was zum Einsturz der übrigen Mauer führte. Eine sprichwörtliche Bresche war geschlagen, in die nun Fußsoldaten drängten – der Anfang vom Ende, das große Morden begann.
Die Schleuderwaffen waren keine neue Erfindung. Lange vor Christus besaßen sie die Chinesen als erste, später die Griechen, die Römer, die beide über versierte Belagerungstechniken und ausgefeilte Festungsbauten verfügten. Nach der Antike geriet in Westeuropa das Wissen darüber in Vergessenheit. Die neuen Herrscher dort regierten nicht länger von Festungsmauern aus. Sie reisten regierend durch die Lande. Befestigte Orte wie zur Römerzeit gab es lange nur noch wenige, was sich erst viele hundert Jahre später erneut ändern sollte, in der Zeit, als auch die Herren von Hohengenkingen beschlossen, ihre Burg zu bauen.
So kam das eine zum anderen. Die Kreuzritter, so heißt es, bestehend aus den vielen kleinen Adelsgeschlechtern, die auch die Schwäbische Alb bevölkerten, brachten das Wissen um den Burgenbau aus Byzanz und dem Nahen Osten mit. Dort aber trafen sie auch auf die alten Belagerungsmaschinen, die dort unverändert im Einsatz waren. Zurück in Europa bauten sie die Maschinen nach und sie machten sie noch tödlicher. Jeder „Terminator“ musste bis dahin von Dutzenden Männern bedient werden, die an Seilen den Schwungbalken mühsam zurück in seine Startposition zogen. Jetzt ersetzten eiserne Zahnräder und Hebel die Hundertschaften. Nur wenige Männer wurden so gebraucht, und es konnte viel schneller nachgeladen werden – alle 20 Minuten, so zeigten die Versuche in Thüringen, ein Schuss. Ein Sperrfeuer aus Steinen.
So dürftig oft die Überlieferungen aus dem Mittelalter sind, so zahlreich sind die Berichte der damaligen Chronisten über die fürchterlichen Folgen des Bliden-Beschusses. Auch als im 15. Jahrhundert vermehrt Kanonen und Schießpulver aufkamen, wurden noch lange die Bliden eingesetzt.

© Michael Rogosch
„Gras streicheln ist nicht zielführend“, sagt Sören Frommer auf der Grabung und treibt seine Studenten liebevoll an. Die Arbeit auf dem Berg geht inzwischen für alle an die Grenzen der Belastbarkeit. Es regnet in Strömen. Schutzplanen, die die Archäologen über die Grabungsschnitte spannen, werden weggeweht. Weiße Pavillons, die man sich von Vereinen der umliegenden Dörfer ausleiht, knicken unter den Böen ein. Es hagelt! Malte Klarhof und Jerome Kommer graben sich entlang der Mauer anderthalb Meter in die Tiefe, allem Wetter trotzend, vorbei an den Brandspuren der Vergangenheit.

© Michael Rogosch
Festen Fels und damit die ältesten Siedlungsschichten erreichen sie bis zum Ende der beiden Forschungswochen auch hier nicht. Noch längst hat der Berggipfel nicht alle seine Geheimnisse preisgegeben. Im Frühjahr 2026 soll die Grabung fortgesetzt werden. Ob die neue Schildmauer der Hohengenkinger, errichtet auf den verbrannten Trümmern eines Vorgängerbaus, den Burgherren die Investition wert war und ihnen Leid erspart hat, das wissen wir nicht, noch nicht.
Wer mehr wissen will, dem sei der Forschungsbericht von Dr. Sören Frommer empfohlen.
Das Rätsel der großen Felsterrasse – Schnitt 3/7

© Projekt die Burg
Noch haben wir keine Ahnung, womit wir hier es zu tun haben. Die Hälfte der Fläche der Kernburg nehmen zwei in den Berg geschlagene Terrassen ein. Wie eine gigantische Treppe sind sie über übereinander gestaffelt. Die obere Terrasse ist so aus dem Bergmassiv herausgebrochen, dass sie auf ihrer Rückseite durch einen letzten, vier Meter hohen Kranz aus Felsen abgegrenzt wird. Auch auf diesem schmalen Felsband finden sich noch Mauerreste. Erst dieses Frühjahr hatten Frommer und Shane Cavlovic in halbalpiner Kletterei mehrere vermauerte Felsspalten entdeckt und vermessen.
Zur Nordseite hin existiert eine immer noch eine zehn Meter lange, bis zu zwei Meter hohe Mauer. Auch sie einsturzgefährdet. Unter ihr am Steilhang eine massive Ansammlung von Bruch – vermutlich alte Mauersteinen. Oberflächlich hat sich auf der Terrasse nichts erhalten. Zu ihren Kanten hin ist sie mit Dachziegeln bedeckt, nur knapp von Humus und Laub überlagert. Ähnlich rätselhaft die zweite Terrasse darunter. Sie wird gleich von zwei Seiten von Felswänden eingefasst, die ziemlich sicher von Menschenhand aus dem Gestein geschlagen worden sind. Geröll und Schutt von oben bedecken diese zweite Ebene. Ein alter Weg, im Waldboden noch sichtbar, führt hinauf. Warum und wozu hatten sich die Burgherren vor 800 Jahren die Mühe gemacht, diese Doppelstufe in den Berg zu schlagen?
Die bisherige Theorie: In einer späteren Bauphase hatten die Bewohner mit der oberen Terrasse Platz für einen Palas geschaffen und errichteten ein stattliches Gebäude, zwei bis drei Stockwerke hoch. Im Palas wohnte der Adel. Hier gab es meist im Erdgeschoss eine große Halle, in der Besucher empfangen, Feste gefeiert wurden. Ein Raum also, der damals eines der kulturellen Zentren der Umgebung gewesen sein dürfte.

© Projekt die Burg
Die Spannung ist also groß, als jetzt vier Studentinnen unter Leitung von Doris Schuller den Boden an zwei aneinander angrenzenden Flächen öffnen. Es graben: Christine Bergweiler, Alicia Schüle, Yasmin Miesen und Sophia Biehringer. Die Untersuchungsfläche befindet sich im äußersten Nordwest-Winkel, direkt an der Kante zur unteren Terrasse hin. Den zweiten Schnitt setzen sie nur ein Meter entfernt, etwas über Kreuz, im Terrasseninneren.
Sie finden: eine Mauer, die den Steilhang entlang führt. Die Außenschale ist zum Teil bereits abgegangen, den Steilhang hinunter. Vermutlich, das legen Mörtelproben nahe, handelt es sich um die gleiche Mauer, die am anderen Ende der Terrasse in den Hang gebaut ist. Zur Erinnerung: die Ringmauer, die dieses Jahr Steinmetz Alexandre Aubry und die Berufsschüler vor dem Absturz gerettet haben. Die Verbindung beider Teilstücke hat vermutlich ein lokaler Bergrutsch in die Tiefe gerissen.
Im zweiten Schnitt stoßen sie auf eine Überraschung, auch hier treffen sie auf eine Mauer. Sie ist einen Meter dick, ohne Mörtel errichtet. Allerdings: viel Mörtel ringsherum. Im rechten Winkel läuft die Trockenmauer auf die Umfassungsmauer zu. Über den Mauern hunderte Bruchstücke von gut erhaltenen Ziegeln unterschiedlicher Größen, teilweise noch vermörtelt. Knochen von Kühen und Schweinen werden gefunden.

© Projekt die Burg
Was hat das alles zu bedeuten? Frommer verwirft die Arbeitsthese „Palas“ und glaubt jetzt an einen Handwerkerhof, denn es wurden auch zwei, drei Schlackereste gefunden. War hier die Burgschlachterei? Nahm man deswegen die Plackerei auf sich, den ganzen Berg zu terrassieren? Oder passierte hier etwas ganz anderes? Sind wir hier nicht auf ein Gebäude der mittelalterlichen Burg gestoßen, sondern auf einen jüngeren Bau? Hatten sich nach der Aufgabe der Burg Unbekannte in den Ruinen angesiedelt und neue Gebäude errichtet, qualitativ ärmer? Hirten? Ein Waldhüter?
Hat die spätere Nutzung an dieser Stelle die Reste der älteren Burgnutzung überbaut?
Auch hier reicht die Zeit nicht, um in die tieferen Schichten vorzustoßen, die eventuell Antworten auf diese Frage geben könnten. Was wir aber wissen: Die Anlage war wesentlich komplexer als angenommen.
Schnitt Nummer 6 – die Suche nach dem Burgtor

© Michael Rogosch
Wie kam man überhaupt in diese Burg, erbaut auf einem extrem schmalen Felsgrat? Bisher gab es nur Vermutungen. Ganze fünf Kandidaten zählten wir bislang im Gelände, als Ergebnis der bisherigen Oberflächen-Analysen. Eine der heißesten Aspiranten: die Lücke, die der heutige Wanderweg in die Anlage „gebrochen“ hat. Parallel zum Grat führt er durch die Burg in ihrer ganzen bisher bekannten Länge. An der südlichen Flanke graben zwei Studenten in die Tiefe. Das Ergebnis entzückt uns: Auf einer Länge von zwei Metern stoßen wir auf die noch gut erhaltenen Reste der östlichen Umfassungsmauer. Ihr gegenüber liegt der bereits bekannte Schalenturm. Die neu ergrabene Umfassungsmauer endet am Rande des Wanderweges in einer merkwürdig anmutenden Trapezform und einem dreieckigen Stein. Der wirkt wie ein Eckstein, glatt seine Kanten.

© Thomas Bernhardt
Bedeutet das das Ende des Mauerzuges? Haben wir die originale Einfassung eines Tores vor uns?
Die Mauer scheint im weiteren Verlauf, In Richtung des gegenüberliegenden Schalenturms, in eine Art Fundament überzugehen – flache Steine, vielleicht gar der Unterbau einer Pflasterung. Auf diesen Steinen: Mörtel, sehr viel Mörtel. Der ganze Hang an dieser Stelle strotzt geradezu vor diesen Mörtel. Was kann das bedeuten?
Wurde der Zugang während einer späteren Bauphase wieder zugemauert? Haben wir die letzten Reste einer Toreinfassung gefunden, einer Torlaibung? Eine These, die Sören Frommer vertritt. Die zwei Wochen reichen nicht, um tiefer zu graben, bis zur Felssohle hinab.
Es regnet in Strömen, einmal sogar gibt’s Hagel. Die Forschung bleibt im Versturz, im Trümmermaterial der Jahrhunderte stecken. Nächstes Jahr, sofern wir Gelder dafür akquirieren können, wollen wir hier weitermachen.
15.9-24.10. 2025
Erster Vorstoß in die Tiefe – erste Ausgrabungen

© Projekt die Burg
Das widerborstige Gras zuerst. Es ist scharfkantig und zäh, nur schwer lässt es sich durchtrennen. Mit der Kelle kratzt es Malte Klarhof von der Erde. Er studiert Archäologie im vierten Semester und kniet auf dem Gipfel des Hohengenkingens. Er dringt durch die dürre Grasnarbe, weiter durch eine schmale Schicht aus Humus, um wenige Zentimeter tiefer auf ein verwirrendes Chaos zu stoßen, ein einziges Gebrösel aus Gestein scheinbar ohne Sinn.

© Projekt die Burg
Wir vom Projekt sind alle voller Erwartung. Nach mehr als drei Jahren schauen wir erstmals unter Laub und Erde, die sich in den vergangenen Jahrhunderten auf die Überreste der Burg gelegt hatten. Finanziert werden wir dabei vom EU-Förderprogramm Leader, das sich dem ländlichen Raum verschrieben hat, der Gemeinde Sonnenbühl und privaten Spendern. Was werden wir finden?
Wir wissen es nicht. In den nächsten Tagen werden sich einige Vermutungen bestätigen, viele andere hingegen nicht.
Zehn StudentInnen des Lehrstuhls für Mittelalter-Archäologie der Universität Tübingen sind für die zwei Wochen auf den Berg gekommen. Sören Frommer und Doris Schuller, beides mit langjähriger Grabungserfahrung, leiten sie an. Ein alter Bauwagen am Fuß der Burg dient als Basislager und Grabungsbüro, in dem alle relevanten Funde gereinigt, vermessen und per Laptop in eine Datenbank eingetragen werden. Das Ganze ist eine Lehrveranstaltung der Universität.
Heute ist der Tag, an dem sie erstmals die Erde öffnen, mit der Kelle, der Hacke, die sie Wiedehopf nennen, hinten spitz und vorne flach, dem Spaten manchmal und manchmal auch mit den bloßen Händen. Was sie nicht ahnen: Ihre Reise wird im heutigen China enden.
Die Entdecker haben sich in Zweier-Gruppen aufgeteilt, die an fünf unterschiedlichen Stellen der Burg zu graben beginnen.
15.9-24.10. 2025
Premiere nach 700 Jahren: Die Burg wird zur Baustelle!

© Thomas Bernhardt
Restaurierung der absturzgefährdeten Ringmauer
Seit dem Mittelalter haben keine Maurer mehr Hand an unsere vergessene Burg angelegt. Der Steinmetz Alexandre Aubry, Lehrer und Auszubildene der Grafenbergschule aus Schorndorf im schwäbischen Remstal waren die ersten seit Jahrhunderten, die den Ort wieder in eine Baustelle verwandelten. Am steilsten Steilhang, auf der neu errichteten Arbeitsplattform, sieben Meter hoch, haben sie einen absturzgefährdeten Abschnitt der Ringmauer geflickt und stabilisiert – hoffentlich für die nächsten Jahrhunderte.

© Thomas Bernhardt
Sie verrichteten dabei schwerste Arbeit. Alles Material zum Anmischen des Kaltmörtels musste auf die Burg getragen werden, da wir nicht durch Fahrzeuge den Boden verdichten wollen. So viele Informationen über die Geschichte dieses Ortes birgt dieser Boden. Immer noch wissen wir nicht, wo die Burg anfing und wo sie endet. Die Steine, die früher Teile der Mauer waren, mutmaßliches Baujahr 1250, liegen am Berghang und mussten trittfest! eingesammelt und per Seilzug auf die Plattform gezogen werden.

© Thomas Bernhardt
Es wurden dabei sechs Tonnen Flussand verarbeitet, 3,5 Tonnen Kies und 500 KG Kalk. Um die Mauer zu flicken, verwendeten wir die vormals aus ihr ausgebrochenen Steine, die in Massen den Steilhang bedecken. Ein Seilzug an der Arbeitsplattform hievte das mittelalterliche Baumaterial nach oben, wo es an seinen angestammten Ort verbaute wurde.
Eine Hauruckaktion – im wahrsten Sinne. Wir danken allen Beteiligten!!
Link zur Grafenbergschule, die Straßenbauer, Geräteführer und Maurer ausbildet. Eine tolle, bunte Truppe!: https://gsso.de/